Reisetagebuch – Jakobsweg

Dies ist wohl eine Zusammenfassung für eine seltsame Zeit in meinem Leben. Die glücklichste und traurigste, die stabilste und instabilste. Eine Freundin, die ich seit 15 Jahren kenne hat den Kontakt abgebrochen, was mich sehr mit nimmt. Die Depression die länger als 15 Jahre mein Leben bestimmt hat ist fast komplett verschwunden.

Ich mache mich auf den Weg nach Spanien und gebe damit, zumindest für eine Gewisse Zeit, mein sesshaftes Leben in Worms auf und versuche, meinem Leben eine neue Richtung in unsicheren Umständen zu geben. Auf Sozialhilfe und mit laufenden Kosten diesen Schritt zu machen erscheint mir im besten Fall leichtsinnig, im schlimmsten ziemlich bescheuert, ohne Geld irgendwo zu stranden ist durchaus eine Angst.

Zeitlich liegen hinter mir 4 Jahre Therapie und Training, 5 Jahre Informatikstudium, ein halbes Leben Erfahrung mit dem was nicht funktioniert, gescheiterte Kunst und Design und vorhergehend ein Schulsystem zu dem ich nicht passen wollte. Zu hell zum durchfallen, zu eigenwillig um mich anzupassen. Und das vage Gefühl, dass eine Chance auf eine positive finanzielle Zukunft vielleicht in dem liegt, was ich vorhabe zu unternehmen.

Vorbereitungen

  1. Pemmican, etwas wie Trockenfleisch, nur etwas nahrhafter, nicht besonders lecker aber besser als unterwegs Zucker zu essen, weil nichts anderes da ist.
  2. 3 Sätze Kleidung/Unterwäsche – man will ja ordentlich aussehen und nicht wie ein Landstreicher
  3. etwas Seife zum selbst waschen und Kleidung waschen, Toilettensachen
  4. Erste Hilfe Dinge, wie Pflaster, Blasenpflaster und Zeckenzange für Teddy
  5. Malsachen und Zeichenzeug für das Fertigen von Handgemalten Karten um Verkaufen unterwegs.

Die erste Woche

Besonders schnell sind wir nicht, aber dafür stetig. Unsere erste Station war Lampertheim bei der kleinen Kneipe Weinwetzel. Sehr gastfreundliche, viel arbeitende Leute, die mich mit einem Gefühl von Dankbarkeit und Bescheidenheit erfüllen. Fieser Muskelkater hält uns ein paar Tage in Mannheim bei Mum. Dienstag sind wir los, Samstag gehen wir weiter, erstmal nur bis Ladenburg um zu sehen wie wir nach der Pause vorankommen. Wenn es nicht zu heiß wird werden wir es vielleicht bis Heidelberg schaffen. Aber der Unterschied zwischen 8,5 und 16 Kilometer ist dann doch schon etwas groß für den Anfang.

Die erste Nacht in der Fremde

Gleichwohl die Leute sehr freundlich waren kann ich mir selbst mit meinem Misstrauen und Paranoia nicht helfen und lag die ganze Nacht wach. Nach 0300 wurde es etwas besser und ich konnte dösen, bis mich Zittern und Anspannung wieder weckten, weil ich nicht genug gegessen hatte. Nur meine eigene Schuld. Sorge, ob ich meinen Hund überlaste, oder mich selbst.